Flüchtlingsprojekt
Deutsch lernen in den KunstWelten

Mit dem jüngst gestarteten Kultur- und Sprachvermittlungsprogramm realisiert das Landesmuseum Hannover ein kulturübergreifendes Projekt, in dem Flüchtlingen Berührungsängste mit der deutschen Kultur und Sprache genommen werden und eine Grundlage für eine erfolgreiche Eingliederung in die deutsche Gesellschaft ermöglicht wird.

»Angesichts der interkulturellen Herausforderungen, die sich auf Grund der Zuwanderung für unsere Gesellschaft ergeben, wollen wir im Landesmuseum Hannover als WeltenMuseum verstärkt Flüchtlingen und Migranten ermöglichen, an kultureller Bildung teilzuhaben«, so Dr. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover. Damit folgt das Museum nicht nur seinem Bildungsauftrag, sondern widmet sich auch dem Vorhaben, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzusprechen und sich den aktuellen gesellschaftspolitischen Veränderungen zu stellen.

Rainer Müller-Brandes, Dr. Katja Lembke, Dr. Sönke Burmeister, Soumaya Djemai-Runkel mit Teilnehmern des Projekts (c) Landesmuseum Hannover Webseite

Unterstützung erfährt das Projekt von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung mit 10.000 Euro. »Die Förderung von Integration von Zugewanderten und Menschen mit Migrationshintergrund ist nicht nur erklärtes Stiftungsziel, sondern auch ein Anliegen. Sprache und Bildung sind Schlüssel für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben« so Dr. Sønke Burmeister, Geschäftsführer der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung.

Das Kultur- und Sprachvermittlungsprojekt startete erfolgreich am 3. September 2015 mit einer ersten Gruppe von 10 Teilnehmern aus Iran, Syrien, Sudan und Elfenbeinküste. Es richtet sich vor allem an Flüchtlinge, die seit wenigen Monaten in Deutschland sind und keine oder nur wenige Deutschkenntnisse haben.

Als Vermittlungsort für den zweimonatigen Kurs dienen die KunstWelten. An Hand der umfangreichen und bedeutenden Sammlung vom Mittelalter bis zur frühen Moderne lassen sich sprachliche und kulturelle Aspekte der deutschen Kultur anschaulich vermitteln. Mit Methoden des Fremdsprachenunterrichts sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Beschreibung von Gemälden schrittweise an die deutsche Sprache herangeführt werden.

Interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die sich aus den Kunstobjekten ableiten lassen, werden in einem zweiten Schritt des Projektes thematisiert. »Wir wollen nicht nur das Interesse für die Inhalte wecken, sondern auch einen Zugang für die zunächst fremd erscheinende Kultur schaffen und das Fremde somit entmystifizieren«, so Projektleiterin und -entwicklerin Soumaya Djemai-Runkel.

Neben der Sprach- und Kulturvermittlung wird den Flüchtlingen auch ein soziales Rahmenprogramm geboten: So werden etwa gemeinsame Mittagsrunden den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermöglichen, neue soziale Kontakte zu knüpfen.

Als Kooperationspartner konnte das Diakonische Werk Hannover gewonnen werden, das dem Projekt beratend zur Seite steht, aber vor allem auch den Zugang zu interessierten Teilnehmern ermöglicht. »Das Integrationsprojekt im Landesmuseum dient nicht nur dem Spracherwerb, sondern bildet auch die Grundlagen für soziale Integration aus. Da ist ein wichtiger Grundstein für aktive und fähige Eingliederung in der Gesellschaft« erklärt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes.