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6. Forum Sportbewegung 2019 „Schiedsrichter – zwischen Respekt und Anfeindung“

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Unter dem Thema „Schiedsrichter – zwischen Respekt und Anfeindung“ fand am 18. Mai 2019 das 6. Forum Sportbewegung der Niedersächsischen Lotto-Sport Stiftung statt.

Nach einigen einführenden Worten seitens des Moderators, Herrn Christoph Dannowski, wurden die über 70 Teilnehmenden von Herrn Dr. Hans Ulrich Schneider, dem Vorstandsvorsitzenden der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, begrüßt. Dabei ging er besonders auf die gesellschaftliche Bedeutung vom Umgang mit anderen, aber auch mit Schiedsrichtenden ein: „Das Thema geht uns alle an“.

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Das Thema geht uns alle an!

Auf die lebhafte Begrüßung Dr. Schneiders, die mit einem Anpfiff endete, folgte ein sehr informativer Impuls-Vortrag von Alex Feuerherdt. Feuerherdt, selbst als Ausbilder von Schiedsrichtern tätig, zeigte am Beispiel des Amateurfußballs diverse Probleme und schwierige Situationen auf, denen Schiedsrichtermittlerweile ausgesetzt sind. Anhand einiger Statistiken wurde deutlich, wie stark die Unparteiischen den vielseitigen Gewaltformen ausgesetzt sind, die nicht nur aus nonverbaler Gewalt bestehen. Mit immerhin 30% wurden sowohl Schläge, als auch Beleidigung als Form der Gewalt benannt, die gegen Schiedsrichter erlebt wurde. Die am weitesten verbreitet Form der Gewaltausübung sind jedoch Beleidigungen, zum Teil auch rassistischer Natur. Der Vortrag ließ die Aktualität des Themas „Schiedsrichter – zwischen Respekt und Anfeindung“ in schillerndem Licht erscheinen. Allerdings seien laut Alex Feuerherdt die Vorfälle bei Spielleitungen nur zu 2,2% Auslöser dafür, das Schiedsrichteramt aufzugeben. Jedoch betonte Alex Feuerherdt, der den Podcast Collinas Erben (collinas-erben.de) betreibt, dass viele der Schiedsrichterei nachgehen, einfach „weil es Spaß macht.“

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Anknüpfend an diese Ausführungen übernahm Ralf Tietge das Mikrofon und berichtete aus seiner Sportart, dem Rugby und der dortigen Bedeutung des Schiedsrichteramtes. Denn im Rugby kommt der Schiedsrichter „ganz dicht nach Gott“. Außerdem sei ein wichtiger Punkt im Rugby, dass mittlerweile auch Jungschiedsrichter ausgebildet werden, die mithilfe von Mentoren schon im Alter von 12 Jahren Spiele leiten, betonte Tietge, Präsident der Schiedsrichtervereinigung im Deutschen Rugby-Verband. Diese Neuregelung soll nicht nur neue Schiris akquirieren, sondern ebenso die Wertschätzung und Akzeptanz von Schiedsrichtern steigern, sowie das allgemeine Regel- und Wertverständnis vertiefen. Einen zusätzlichen spannenden Einblick in eine weitere Sportart offenbarte Jörg Benner, der Geschäftsführer des Deutschen Frisbeesport-Verbandes. Das Besondere an der Sportart mit der Scheibe sei das gänzliche Fehlen eines Schiedsrichters. Oder, wie Benner es bezeichnet, „jeder auf dem Platz ist Schiri“. Damit zeigte er ein völlig neues Konzept des FairPlays auf, da die Spielenden selbst entscheiden, ob ein Foul vorliegt oder nicht. Benner erklärte, dass die angreifende Person signalisiert, dass sie sich gefoult fühlt und die verteidigende Partei anschließend das Foul zugibt oder dies verneint. Somit wird einzig durch die Spielenden selbst das Spiel durch respektvolle Kommunikation am Laufen gehalten und entschieden. Der Spirit oft he Game entscheide über diesen einzigartigen Umgang miteinander. Dieser ist auch in der Satzung des Frisbeesports niedergeschrieben und beinhaltet folgende fünf Regeln: Regel-Know-How, Avoid-Bodycontact, Enjoy-Playing, Be-Fair-Minded und Communicate Respectfully.

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Nach diesen ertragreichen Inputs wurde die Podiumsdiskussion eröffnet, an der die vorangegangen Redner Alex Feuerherdt, Ralf Tietge und Jörg Benner noch einmal durch den Moderator Christoph Dannowski auf die Bühne gebeten wurden. Die Runde komplettierte Britta Seksts, Schiedsrichterin im Kanupolo. Alle vier erzählten von sowohl positiven, als auch einigen negativen Erfahrungen in ihren Sportarten. Dabei zeigten sich nicht nur Unterschiede im Umgangston zwischen Schiris und Spielenden. Es wurde auch deutlich, dass alle vier den Spaß am eigenen Sport verbindet und sie diesen noch immer mit Herzblut, teilweise auch im Amt des Schiedsrichterdaseins, dabei sind. Diskutiert wurden dabei einige Vorschläge, alle Spielenden in der jeweiligen Sportart auch schon im Training als Schiedsrichter zu agieren, um sich besser in deren Rolle einfühlen zu können. Außerdem wurde diskutiert, ob nicht auch im Fußball wieder Zeitstrafen nach Fouls eingesetzt werden soll, wie es sie im Handball oder auch teilweise im Kanupolo gibt.

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Nach der Mittagspause folgten zwei Workshop-Runden mit einem vielfältigen Themenspektrum. Die Teilnehmenden konnten sich aus fünf verschiedenen Themenmodule entscheiden. Dabei gab es folgende Angebote:

1. FairPlay vermitteln und vorleben – Ein Perspektivwechsel macht den Anfang

(Jörg Benner, Geschäftsführer Dt. Frisbeesport-Verband e.V.)

„Fairplay?“ Was war das nochmal? Im §1 der Ultimate-Frisbee-Regeln steht der „Spirit of the Game“. Wichtige Themen sind hier: Regeln kennen und einhalten, Fairplay achten und Respekt. Das Schema „DENKEN“ (Durchatmen, Erklären, Nachfragen, Kontaktieren, Ermitteln, Nachricht) kann helfen einen fairen Umgang zu gestalten.“

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2. Es muss nicht immer die Rote Karte sein. Praxistipps für (Fußball-) Schiedsrichter zur Prävention und Deeskalation

(Alex Feuerherdt, Schiedsrichter-Podcast „Collinas Erben“ und Schiedsrichterlehrwart)

Wie erkennt man als Unparteiischer im Fußball, wenn sich Konflikte anbahnen? Wie und mit welchen Mitteln kann man ihnen rechtzeitig entgegenwirken? Wie lässt sich ein Spiel leiten, ohne zum äußersten Mittel greifen zu müssen?

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3. Aufarbeitung und Mediation von Konflikten

(Dr. Lutz Netzig, Waage Hannover e.V.)

Gewalt auf dem Sportplatz: Wie können eskalierte Konflikte in Gesprächen geklärt und weitere Gewalt vorgebeugt werden? Ein Modellprojekt des Niedersächsischen Fußballverband e.V. und der Waage Hannover e.V. Konzept, Erfahrungen, Fallbeispiele.

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4. Engagement ist Lebensaufgabe: So finde und binden Sie Engagierte u.a. auch Schiedsrichter. Erfolgsfaktoren und Stolpersteine

(André Pfitzner und Insa Grebe, LandesSportBund Niedersachsen, Abt. Organisationsentwicklung)

„ Wie können Anreizsysteme für Engagierte/Schiedsrichter aussehen?“ „Welche Anreizsysteme passen zu welchem Alter und der jeweiligen Lebenssituation der Zielgruppe?“ – „Gibt Engagement meinem Leben einen Sinn?“

„Engagementförderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!“

5. Erfolgsgeschichte: Vom Jugendschiedsrichter zum Profi

(Ralf Tietge, Präsident der Schiedsrichtervereinigung im Deutschen Rugby-Verband und

Julian Noster, „Newcomer Schiedsrichter“)

Ausbildung ist nicht alles! Gute leistungsstarke Schiedsrichter/Wettkampfrichter fallen nicht vom Himmel. Die Betreuung und Begleitung von Jungschiedsrichtern ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Der Niedersächsiche Rubgy Verband zeigt Ihnen wie dies systematisch gelingen kann.

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Anschließend konnten die Inhalte und Ergebnisse der Workshops bei Kaffee und Kuchen diskutiert und reflektiert werden. Somit endete ein informationsreicher Tag, von denen die Teilnehmenden viel Neues und einige Inspiration aus den vielseitigen Eindrücken anderen Sportverbände und ihren Sportarten mitnehmen konnten.

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